Ein häufiger Fehler bei Bauprojekten in Bremen ist die pauschale Ausschreibung von Geotextilien ohne standortspezifische Parameter. Die Böden der Hansestadt reichen von weichen Kleitorganen der Marsch bis zu Sanden der Geest – das verlangt eine differenzierte Geotextil-Spezifikation. Wer hier nur nach mechanischer Festigkeit auswählt, riskiert frühzeitige Verstopfung oder Rissbildung. Wir spezifizieren deshalb nach hydraulischen und mechanischen Kennwerten, die zum jeweiligen Untergrund passen. Ergänzend dazu prüfen wir die Kornverteilung des anstehenden Bodens mit einer Granulometrie, um das wirksame Porenöffnungsverhältnis zu berechnen.
Ein Geotextil, das nur die Reißfestigkeit erfüllt, aber nicht die hydraulische Kompatibilität, versagt in Bremer Marschböden innerhalb weniger Monate.
Methodik und Umfang
Vor Ort setzen wir für die Geotextil-Spezifikation ein fahrbares Labor ein – ausgestattet mit Permeameter nach DIN EN ISO 11058 und CBR-Rahmen. Aus den gewonnenen Proben bestimmen wir den Durchlässigkeitsbeiwert k und die wirksame Öffnungsweite O90. Diese Werte fließen direkt in die Spezifikation ein. Bei Trennlagen unter Tragschichten kombinieren wir die Messung mit einem CBR-Versuch, um die Interaktion zwischen Vlies und Schotter zu bewerten. Die Norm DIN EN 13249 bis 13257 liefert dabei die Klassifizierung für jede Anwendung – von der Deponieabdichtung bis zum Böschungsschutz.
Technisches Referenzbild — Bremen
Lokale Besonderheiten
Die hohe Grundwasserstandslage in Bremen – im Mittel nur 1,2 m unter Gelände – zwingt bei der Geotextil-Spezifikation zu besonderer Vorsicht. Unterschätzt man den hydraulischen Gradienten, wirkt das Vlies wie eine Dichtung statt wie ein Filter. Der Stauwasserandrang führt zu Porenwasserüberdruck und in der Folge zu Hangrutschungen oder Setzungen. Wir berücksichtigen daher immer den Bemessungswasserstand aus den hydrogeologischen Gutachten der Stadt und wählen die Öffnungsweite so, dass der Filterkriterium nach Terzaghi eingehalten bleibt – auch bei schwankendem Wasserstand.
Ermittlung von O90, k-Wert und Filterstabilität für Drän- und Trennlagen. Inklusive Korngrößenanalyse des anstehenden Bodens und rechnerischem Nachweis des Filterkriteriums. Geeignet für Baugruben, Regenrückhaltebecken und Straßenaufbauten in der Bremer Marsch.
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Mechanische Spezifikation für Schutz- und Bewehrungslagen
Bestimmung von CBR-Punktlast, dynamischer Durchschlagung und Zugfestigkeit nach DIN EN 13249. Besonders relevant bei hohen Verkehrslasten auf Hafengelände oder bei temporären Baustraßen auf weichen Kleitorganen.
Geltende Normen
DIN EN 13249 (Geotextilien für Straßenbau), DIN EN 13252 (Geotextilien für Entwässerungsanlagen), DIN EN ISO 11058 (Durchlässigkeitsbeiwert), DIN EN 12224 (UV-Alterung), DIN 18130-1 (Durchlässigkeit von Böden)
Häufige Fragen
Welche Normen gelten für die Geotextil-Spezifikation in Bremen?
In Deutschland ist die Reihe DIN EN 13249 bis 13257 maßgebend. Für Bremen spezifisch ergänzen wir die hydrogeologischen Randbedingungen aus den örtlichen Gutachten – etwa die hohen Grundwasserstände, die eine Anpassung des Filterkriteriums erfordern.
Was kostet eine Geotextil-Spezifikation für ein typisches Bauvorhaben in Bremen?
Der Aufwand liegt zwischen 400 und 1.260 Euro, abhängig von Anzahl der Prüfkörper, Umfang der hydraulischen Tests und erforderlicher Dokumentation. Bei großen Flächen (> 5.000 m²) sinkt der Stückpreis durch Skaleneffekte.
Wie lange dauert die Erstellung einer Geotextil-Spezifikation?
Nach Probeneingang benötigen wir 5 bis 10 Werktage. Bei Eilfällen mit Expresszuschlag sind 3 Tage möglich. Die Dauer hängt von der Anzahl der zu prüfenden Parameter ab – eine reine Trennlagenspezifikation ist schneller als eine Kombination aus Filter- und Bewehrungsnachweis.
Welche Unterlagen muss ich für die Spezifikation bereitstellen?
Sie benötigen einen Lageplan, Angaben zur geplanten Nutzung (Verkehrslast, Einbautiefe) sowie vorhandene Bodengutachten. Fehlen diese, übernehmen wir die Beprobung vor Ort – inklusive Kleinrammbohrung bis 3 m Tiefe.
Kann die Geotextil-Spezifikation auch für temporäre Baustraßen in Bremen angewendet werden?
Ja, das ist ein häufiger Anwendungsfall. Wir spezifizieren dann ein leichteres Vlies (Klasse 2 nach DIN EN 13249) mit reduzierter UV-Beständigkeit, da die Einbauzeit kurz ist. Wichtig ist der Nachweis der ausreichenden Durchlässigkeit, damit sich kein Wasser unter der Baustraße staut.